Klare Ansage (?)

Eigentlich sollten an dieser Stelle ein paar Gedanken zum Jena-Spiel vom vergangenen Wochenende stehen, vorbereitet und verfasst gestern Abend am Küchentisch. Das geschah allerdings noch in völliger Unkenntnis der Tatsache, dass der Verein für heute zur Pressekonferenz laden und (nicht ganz unerwartet) mitteilen würde, dass man mal eben den erfolgreichsten FCM-Trainer der letzten 5, 6 Jahre in der kommenden Saison nicht weiter beschäftigen wird. Weil selbiger die Fußballlehrer-Lizenz nicht machen wolle und deswegen wohl ohnehin selbst nicht verlängert hätte. Aha. Aber gut, dazu im Laufe der Woche mehr, wenn die Gedanken dazu etwas besser sortiert und von den ersten, eher emotionalen Bauchgefühlreaktionen bereinigt sind.

Den vorbereiteten Jena-Text poste ich jetzt hier trotzdem, dann habe ich ihn wenigstens nicht umsonst geschrieben. Außerdem dokumentieren das Eingangsstatement hier und der Text unten ganz gut, auf welche emotionale Achterbahnfahrt der Verein einen immer und immer wieder mitnimmt. Dass der Text auch ursprünglich schon den Titel „Klare Ansage“ – nunmehr ergänzt durch ein „(?)“ – tragen sollte, ist dabei wohl Ironie des Schicksals. Nun denn: hier kommt der Jena-Nachklapp. Alles weitere, mit etwas Abstand, später in der Woche.

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Der Mittwoch danach also. Die Nachbarn haben sich hoffentlich wieder beruhigt, die überbordende erste Euphorie ist einer nüchternen, dafür umso schöneren Zufriedenheit mit Dauergrinsen gewichen und endlich ist zwischendurch auch etwas Zeit, den einen oder anderen Gedanken zum 4-1-Auswärtssieg der Größten der Welt beim FC Carl Zeiss Jena aufzuschreiben.

Zunächst mal war es irgendwie ein merkwürdiges Gefühl, dieses wichtige Spiel, bei dem eine Anreise nach Jena theoretisch fast sogar noch möglich gewesen wäre, letzten Endes doch vor dem Fernseher zu erleben. Merkwürdig zum einen, weil ich ja schon ein bisschen neidisch war auf die 1.300 Guten, die da in ihren weißen Regenmänteln nur knapp 120 km weiter in der Gästekurve des Ernst-Abbe-Sportfeldes standen. Und im Übrigen fast durchgängig als einziger lautstarker Support im Stadion wahrnehmbar waren, ein dickes „Daumen hoch“ dafür! Merkwürdig zum anderen, weil es ja nun wahrlich nicht so oft vorkommt, dass ein Spiel der Blau-Weißen live im Fernsehen übertragen wird. Dazu dann noch die alten Aufnahmen zwischendurch von den jeweils großen Europapokalschlachten beider Vereine, die mittlerweile fast schon zu einer ganz anderen, weit zurückliegenden Wirklichkeit gehören. Ob ich es wohl noch mal erleben werde, dass die Größten der Welt in einem internationalen Pflichtspiel aufdribbeln?

Der Traum lebt - zur Not auch vor dem Fernseher

Der Traum lebt – zur Not auch vor dem Fernseher

Bevor es melancholisch wird, mal doch lieber schnell zurück ins Hier und Jetzt. Was es da nämlich am Sonntag beim MDR zu sehen gab war, vor allem in Hälfte 2, bockstark; auch insgesamt war es ein zumindest intensives und phasenweise hochklassiges Spiel, an dem man sich als objektive(r) Beobachter_in sicherlich gut erfreuen konnte. Für mich als den Größten der Welt Zugeneigtem hielt sich die Freude in der ersten Halbzeit eher in Grenzen, spielte man doch bis zum – zu diesem Zeitpunkt wirklich schmeichelhaften – 2-1-Führungstreffer von Christian Beck (bezeichnenderweise nach einem Standard) nahezu ohne Abwehr. Es hätte sich wohl niemand ernsthaft beschweren können, wenn es nach 33 Minuten nicht 2-1 für uns, sondern eher 3-1 für Jena steht. Die Kulisse, der Druck des Siegen-Müssens und vor allem der aggressive und schwungvolle Auftakt der Gastgeber haben die Unsrigen offenbar doch ziemlich beeindruckt und bis zur Führung habe ich (ich geb’s zu) Marius Sowislo mehr als einmal zum Teufel gewünscht und mich außerdem gefragt, ob Steffen Puttkammer nur auf dem Spielfeld ist, weil da noch eine Zeile bei „Startaufstellung FCM“ frei war und schnell wer eingetragen werden musste.

Das sind dann eben die Vorteile einer Fernsehübertragung, in der man ja doch mehr sieht und vor allem eine deutlich bessere Perspektive auf das Spielfeld hat. Und dann zum Beispiel (merkwürdig erleichtert) feststellt, dass der Sowislo den freien Mann ja tatsächlich oftmals einfach nicht sieht, ergo eine aussichtsreiche Spieleröffnung häufig schlichtweg nicht stattfindet und das nicht nur eine verzerrte Hinter-dem-Tor-Nordtribünen-Wahrnehmung ist. Ich glaube, ich habe das schon mal irgendwo geschrieben aber: wenn ich mir für die kommende Saison nur eine einzige Verstärkung wünschen dürfte, wäre ich für eine ernstzunehmende Alternative auf der Sowislo-Position. Nicht, dass Marius Sowislo da jetzt dauernd ein Totalausfall wäre (beileibe nicht, es gab auch schon sehr, sehr starke Spiele), aber für den Anspruch, in der nächsten Saison definitiv die Relegation erreichen zu müssen wollen, braucht es auf der Position sicher deutlich mehr als durchschnittliches Viertligaformat. Auch besagter Steffen Puttkammer war in weiten Teilen der ersten Hälfte eigentlich gar nicht zu sehen, wurde dann aber, wie die ganze Mannschaft, in der zweiten Hälfte stärker. Das eine oder andere Ziehen in der Bauchgegend bleibt trotzdem, wenn ich mir unsere Schaltzentrale im Mittelfeld so betrachte… trotz oder vielleicht gerade auch wegen der letzten Endes beeindruckenden Offensivleistung, die eventuell den einen oder anderen systemischen Makel überdeckt.

Überhaupt, die Tore: das 1-0 ist glücklich, weil aus meiner Sicht eindeutig kein Elfmeter, den Geburtstagskind Hammann dann letzten Endes aber eben doch souverän versenkt. Das 1-1 fällt unter tatkräftiger Mithilfe unseres Defensivverbundes, ganz konkret pennt da in meiner Erinnerung René Lange, der eigentlich beim Torschützen stehen muss, aber stattdessen doch lieber engagiert den freien Raum verteidigt. Glück für ihn, dass der Ausgleich das Spiel nicht zugunsten der Gastgeber kippen lässt, was man ja nun bei unserer Elf nicht so ganz hätte ausschließen können. Dann nämlich hätte Lange im zweiten Spiel in Folge einen spielentscheidenden Fehler gemacht, was sicher medial und womöglich teamintern nicht so angenehm geworden wäre. So aber fällt dann eben nach besagtem Standard besagter Führungstreffer, der unserem Spiel wirklich gut getan und Ruhe reingebracht hat. Naja, und dass Jena dann zu Beginn der zweiten Hälfte meint, Gastgeschenke verteilen zu müssen und das 3-1 vom inzwischen starken Viteritti mustergültig vorbereitet, war natürlich äußerst löblich. Fast schon gnädig vom Club, nach dem toll herausgespielten 4-1 (Beck mit Tor Nummer 2) nicht noch weiter nachzulegen – Chancen gab es ja genug, so zum Beispiel die von Marius Sowislo, der zur falschen Zeit mannschaftsdienlich spielen will und das Spielgerät im Strafraum lieber mit der Brust abzulegen versucht, anstatt ordentlich draufzukirschen und den Ball mitsamt Torwart im Gehäuse zu versenken.

Sei es drum, dann steht eben ‚nur’ ein starker 4-1-Auswärtssieg zu Buche, der in der Art und Weise, wie er in der zweiten Halbzeit von unserer Mannschaft auch in der Höhe verdient herausgespielt wurde, einer deutlichen Ansage Richtung Neustrelitz gleichkommt: schaut her, noch ist es nicht vorbei! Zum nächsten Spieltag erwarten wir nun den Tabellenletzten aus Rathenow, um dann eine Woche später den Tabellenführer aus Mecklenburg-Vorpommern zum Tanz auf deren eigenem Platz zu bitten. Auch dieses Spiel wird wohl im Übrigen live im Fernsehen übertragen, diesmal allerdings urlaubsbedingt ohne mich als Zuschauer, was die Nachbarn sicher freuen wird ;-). Bleibt zu hoffen, dass das vermeintlich einfache Spiel gegen die sympathischen Brandenburger nicht eine Woche vor der „Do-or-die“-Begegnung in Neustrelitz noch zum Stolperstein wird. Auf dem Papier darf und kann da ja eigentlich nichts anbrennen, aber ich kenne doch meinen Verein… ;-).

In diesem Sinne: es darf, vor allem nach der Vorstellung in Jena, weiter geträumt werden und vielleicht, ja vielleicht wird das ja hinten raus doch noch eine richtig spannende Regionalligasaison!

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