Ein Blick in die Glaskugel: die zweite Saisonhälfte 2013/2014

Der Nordostdeutsche Fußballverband hat ja schon irgendwie Humor, das muss man ihm lassen. Kaum hält nämlich dann doch mal der Winter Einzug in Mitteldeutschland, terminiert der Verband die ersten Spiele im neuen Jahr; demnach soll der erste Punktspielauftritt des FCM 2014 am Samstag, den 22. Februar im heimischen Heinz-Krügel-Stadion steigen. Ein Blick aus dem Fenster, verbunden mit den Erfahrungen des vergangenen Jahres, lässt mich da im Moment zwar arg dran zweifeln, aber ein schlauer Mensch sagte ja irgendwann einmal: abwarten und Tee trinken.

Blick aus dem Fenster. Regionalligafußball? Derzeit eher unwahrscheinlich

Blick aus dem Fenster. Regionalligafußball? Derzeit eher unwahrscheinlich

Während wir also warten, dass es in knapp einem Monat endlich wieder losgeht und ernst wird in der Regionalliga Nordost, lohnt es sich vielleicht, den Blick schon mal nach vorn zu richten und ein wenig rumzuorakeln, was uns in der zweiten Saisonhälfte wohl so erwarten wird. Dass ein solcher Ausblick notwendigerweise nur ein amateurhafter Blick in die Glaskugel sein kann, liegt dabei auf der Hand und aber auch in der Natur der Sache: irgendwie muss man sich in der Winterpause ja die Zeit vertreiben ;-). 

Die Ausgangslage ist eigentlich relativ klar: die TSG Neustrelitz ist deutlicher Tabellenführer mit 7 Punkten Vorsprung auf die Größten der Welt und hat in der ersten Saisonhälfte (plus dem ersten Spiel der Rückrunde) sehr, sehr starke 40 Punkte in 16 Partien geholt. Mit einem Schnitt von 2,5 Punkten pro Spiel ist man damit klar auf Relegationskurs. Der FCM steht nach 16 Spielen bei 33 Punkten, bringt es also auf einen (gerundeten) Schnitt von 2,1 Punkten pro Spiel. Gleiches gilt für den FC Carl Zeiss Jena. Die Marschrichtung bis Saisonende ist damit ebenfalls klar vorgegeben: während sich sowohl der FCM, als auch die Herren aus den Kernbergen die große Aufholjagd auf die Fahnen geschrieben haben, kann und wird es für Neustrelitz nur darum gehen, den doch recht komfortablen Vorsprung irgendwie ins Ziel zu bringen.

Man könnte an der Stelle jetzt eine ganze Menge Konstellationen durchspielen, die eintreten müssten, um der TSG den Platz an der Sonne noch streitig zu machen; ich denke aber, dass das der Glaskugel dann doch ein bisschen zu viel wäre. Fakt ist auf jeden Fall: will man wirklich noch mal an die Tabellenspitze, sollte man sich in der Rückrunde überhaupt gar keine Patzer mehr erlauben und den aktuellen Punkteschnitt mindestens mal beibehalten (immer vorausgesetzt, Neustrelitz patzt mehr als einmal). Die Chancen dafür stehen allerdings für Blau-Weiß gar nicht so schlecht: sieht man mal von den diversen Nebengeräuschen ab, die vor allem mit der Außendarstellung unseres Cheftrainers zu tun hatten, ist die Mannschaft doch seit Saisonbeginn (und eigentlich ja auch schon seit der letzten Saison) kontinuierlich zusammengewachsen und wurde jetzt durch Christoph Siefkes als (bisher) einzigem Neuzugang noch einmal sinnvoll verstärkt. Die Teamchemie scheint auch zu stimmen, außerdem konnte man jetzt bei diversen Hallenfußballveranstaltungen (3 erste Plätze, ein zweiter) noch ein bisschen was für die gute Laune und vielleicht auch für das Selbstvertrauen tun. Verletzt hat sich bisher glücklicherweise auch niemand (wobei die ersten richtigen Freilufttests unter winterlichen Bedingungen noch ausstehen), sodass im Wesentlichen alles angerichtet ist für einen guten Start in das 2014er Punktspieljahr.

Wirft man einen kurzen, weil doch eher uninformierten Blick auf die Konkurrenz, muss man dem Tabellenführer erst einmal eine wirklich sensationelle Leistung in der Hinrunde attestieren. Wer 14 oder so Spiele in Folge gewinnt, hat nicht nur einen Fabellauf, sondern auch entsprechende Qualität in der Mannschaft. Spannend ist jetzt eben, wie man im Norden mit der Situation, der definitiv Gejagte zu sein, umgeht, und ob man die gute Form über die Winterpause konservieren konnte. Eventuell ist ja das mögliche Erreichen der Relegation schon dergestalt im Kopf des einen oder anderen Spielers, dass sich vielleicht Unkonzentriertheiten oder ein wenig Überheblichkeit einschleichen – patzt man dann gegebenenfalls gleich zu Beginn und gibt Punkte ab, kommt man vielleicht doch noch mal ins Schlingern.

Die Jenenser Konkurrenz blickt ja eher auf eine recht bewegte Hinrunde zurück, in der es nicht nur einen frühen Trainerwechsel, sondern auch die Nachricht gab, dass sich ein Investor bei den Thüringern engagieren wird und mit frischem Geld und frischem Personal die baldige Rückkehr in den Profifußball anstrebt. Spielerisch und vor allem ergebnistechnisch hat sich die Mannschaft inzwischen gut stabilisiert, auch hier ist die große, spannende Frage (die aber für die Blau-Weißen gleichermaßen gilt), inwiefern man den Trend nach der Winterpause fortsetzen kann. Und ich weiß nicht genau, warum, aber irgendwie habe ich Jena als wirkliche Konkurrenz im Kampf um Platz 1 nicht so richtig auf dem Plan. Ist zwar nur ein Bauchgefühl, aber durchaus eins, das ich am Ende der Saison gern bestätigt sehen würde.

Müsste ich mich hier und heute festlegen, würde das Fußballjahr 2014 in der Regionalliga Nordost ungefähr folgendermaßen laufen: mit einem knappen Vorsprung wird die TSG Neustrelitz Tabellenplatz eins verteidigen; die Entscheidung fällt im Fernduell am letzten Spieltag zwischen uns und den Mecklenburgern. Mit einem 0-0 zuhause und einem glücklichen 1-1 auswärts gelingt der TSG tatsächlich der Aufstieg in die 3. Liga, aus der die Mannschaft aus der anderen Stadt mit wehenden Fahnen absteigt und uns somit zwei schöne Derbys in der Spielzeit 14/15 beschert. In der Hinrunde der neuen Saison tun es unsere Blau-Weißen den Neustrelitzern gleich und schießen als mittlerweile eingeschworene Truppe mit 3, 4 sofort einschlagenden Neuzugängen alles in Grund und Boden. Jena hält knapp mit, liegt aber zur Winterpause 2 Punkte hinter dem FCM. Der Hässliche FC fällt nach dem Abstieg aus der dritten Liga völlig auseinander, verliert die ersten 7 Spiele in Folge und meldet kurz vor Weihnachten Insolvenz an.

Ob es für die Größten der Welt sportlich wirklich so laufen kann und wird, hängt natürlich zu einem extrem großen Teil daran, wie der Erste FC Magdeburg die ersten Punktspielaufgaben in 2014 lösen kann; mit dem Berliner AK (zuhause), Halberstadt (auswärts), dem aktuell viertplatzierte 1. FC Union Berlin II (ebenfalls zuhause) und Jena (!) (wieder auswärts) könnte das Auftaktprogramm anspruchsvoller eigentlich kaum sein. Richtigerweise hat Andreas Petersen derweil verlauten lassen, dass man wohl nach diesen vier Spielen wissen wird, wo die Reise hingeht. Dass mittlerweile auch vonseiten der Vereinsoffiziellen der Druck nicht gerade kleiner geworden ist, ist auch klar, hat man nun doch das Aufholen der 7 Punkte Rückstand auf Neustrelitz und den ersten Tabellenplatz zum aktuellen Saisonziel erklärt.

Spannend wird sein, ob Andreas Petersen auch nach den genannten vier Spielen noch auf unserer Trainerbank sitzt. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass das revidierte Saisonziel so etwas wie ein verstecktes Ultimatum ist; er wird die Liga lange spannend halten müssen, um die Saison in Ruhe zu Ende bringen zu können und (hoffentlich) einen neuen Vertrag zu erhalten. Sollte das gelingen, sehe ich den Ersten FCM tatsächlich gut gerüstet, in der Spielzeit 14/15 die Operation „Aufstieg“ auch seriös in Angriff zu nehmen, und zwar mit einer stabilen Mannschaft und mit Andreas Petersen als demjenigen, der sie über dann zwei Jahre geformt haben und im dritten Jahr hoffentlich souverän in die Relegation führen wird.

Natürlich kann auch alles ganz anders kommen, kann die Mannschaft die ersten Spiele völlig in den Sand setzen und wird die Vereinsführung sich dann „aufgrund der damit wohl verpassten Zielsetzung gezwungen sehen“, sich um einen neuen Trainer zu bemühen. In dem Fall fangen wir dann wohl wieder von vorne an, sehen den nächsten schönen Drei-Jahres-Plan und die nächsten potentiellen 13 Wunschspieler des neuen Übungsleiters und werden wohl auch im Jubiläumsjahr 2015 eher nicht an der Tür zum Profifußball anklopfen.

Bleibt also zu hoffen, dass es eben nicht so kommt, dass die Mannschaft den verbleibenden knappen Monat für eine gute Vorbereitung nutzt und dass vor allem der Wettergott dafür sorgt, dass wir dann auch pünktlich am 22.02. die ersten drei blau-weißen Punkte bejubeln können! Es bleibt spannend…

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