Drittelbilanz

In Zeiten wie diesen, in denen mein Draht zum Verein aufgrund neuer beruflicher Herausforderungen und einem ansetzungsbedingten Mangel an Heimspielen im Wesentlichen aus dem Verteilen von „Likes“ bei Facebook und dem täglichen Besuch der einschlägigen Webseiten mit aktuellen Pressemeldungen besteht, kann einem schon mal durchrutschen, dass ja inzwischen tatsächlich bereits ein Drittel der Regionalligasaison 2013/2014 gespielt ist! Und wenn ich sonst schon zu nichts komme, denke ich doch, dass sich diese Tatsache eigentlich ganz gut anbietet, schon mal so eine kleines bisschen zurückzublicken auf den bisherigen Saisonverlauf und die Entwicklung, die die Mannschaft in dieser Zeit genommen hat. Oder eben nicht genommen hat, je nach Standpunkt des Betrachters.

Nach 10 von 30 Spielen steht man in der Regionalliga auf dem 5. Platz mit einer Bilanz von 5 Siegen, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen, hat dabei allerdings auf den Platz an der Sonne, der derzeit von der TSG Neustrelitz (ja, der TSG Neustrelitz) belegt wird, bereits satte 8 Punkte Rückstand. Zu Platz 3, der ja Saisonminimalziel ist, beträgt der Abstand derweil 2 Punkte. In positiver Hinsicht auffällig ist, dass die Mannschaft von 5 Heimspielen 4 gewinnen konnte und lediglich gegen besagte Neustrelitzer – allerdings berechtigt – den Kürzeren zog. Auswärts hingegen legte man zum Teil katastrophal schwache Auftritte hin, hier stehen 2 Niederlagen in Berlin sowie 2 Unentschieden (wieder Berlin und Plauen) sowie ein Sieg (in Rathenow) zu Buche. Das ärgerliche an den Punktverlusten in der Fremde ist vor allem, dass sie jetzt nicht unbedingt dadurch zustande kamen, dass die gegnerischen Mannschaften jeweils drückend überlegen gewesen wären. Vielmehr könnte man von außen den Eindruck gewinnen, dass es vor allem Einstellungsfragen waren, die die Punkte gekostet haben. Das grafischste Beispiel dafür ist vielleicht das Plauen-Spiel, gab man doch hier tatsächlich mit einem Mann mehr noch eine 2-Tore-Führung aus der Hand und ließ man sich von den spielerisch eher limitierten, dafür umso aufopferungsvoller kämpfenden Hausherren arg überrumpeln. Aber auch der letzte Auswärtsauftritt bei Aufsteiger Viktoria Berlin ist so ein Beleg: da steht es schnell 2-0, bevor die Mannschaft aufwacht, sich auf ihre Stärken besinnt und dann immerhin noch zwei Treffer zum schmeichelhaften, weil in allerletzter Minute klargemachten Unentschieden erzielt.

Immerhin: mittlerweile haben unsere Jungs offenbar die Qualität, in jedem Spiel mindestens ein Tor zu erzielen und sich auch von Rückständen nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Ich erinnere mich da noch gut an Spielzeiten, in denen das ganz anders war und der erste Gegentreffer schon zu gesenkten Köpfen, bleiernen Beinen und einer auseinander fallenden Mannschaft geführt haben. Gleichzeitig muss dann aber auch die Frage gestattet sein, warum man besagte Qualität(en) nicht gleich oder zumindest kontinuierlicher abruft, sondern sich, insbesondere auswärts, immer wieder Schlafeinlagen leistet und sich das Leben selber schwer macht. Da man spielerisch ja offenbar mit jeder Mannschaft dieser Liga (mindestens) mithalten kann, ist das also die erste große Baustelle, die ich im zweiten Saisondrittel sehr gern behoben sehen möchte.

Kader- bzw. formationstechnisch macht es den Anschein, als ob das Trainerteam hier seine Wunschkonstellation im Großen und Ganzen gefunden hätte – was man nach einem Drittel der Saison ja auch erwarten kann. Tischer im Tor ist gesetzt, dazu kommen die beiden Außenverteidiger Hammann und Lange, wobei letzterer bereits eine Sperre abzusitzen hatte, sodass hier Kevin Nennhuber als Ersatz einsprang, sich aber für diese Position nicht dauerhaft empfehlen konnte. Was aber als gelernter und solider Innenverteidiger aus meiner Sicht nicht weiter verwunderlich ist. In der Innenverteidigung bilden Schiller und Handke seit dem 5. Spieltag das Stammduo und hätten das wohl auch von Saisonbeginn an getan, wäre Felix Schiller nicht verletzt gewesen. Marius Sowislo und Steffen Puttkammer nehmen die Positionen im zentralen Mittelfeld ein, wobei insbesondere Puttkammer von dem Theater um Ex-Kapitän und nun B-Jugend-Trainer und Verbandsligaspieler Marco Kurth profitiert haben dürfte, wenngleich er – zumindest mich – noch nicht immer restlos überzeugt. Anders ist das bei Sowislo, der seine Position inzwischen gut gefunden zu haben scheint und mir doch, trotz einiger Leistungsschwankungen, insgesamt ganz gut gefallen hat bisher.

Die größte Kaderbaustelle dürfte(n) die offensivere(n) Position(en) im Mittelfeld darstellen. Ursprünglich wird Trainer Petersen hier wohl mit Fabio Viteritti und Patrick Bärje auf den Außenbahnen geplant haben, die beide in Normalform wohl eine für Viertligaverhältnisse überdurchschnittlich hohe Qualität auf den Rasen bringen. Das Problem nur: Viteritti läuft seiner guten Form aus der Vorbereitung eigentlich schon die ganze Saison hinterher und droht, trotz massenhaftem Talent, im Moment so ein bisschen den nächsten Schritt zu verpassen. Tja, und Patrick Bärje hat schon wieder und kontinuierlich mit seinem Knie zu tun. Ob das noch mal so richtig was wird, ist für mich eher fraglich – und extrem bedauerlich ist es obendrein. So müssen eben andere ran: Tino Schmunck hat hier seine Sache mehr als einmal wirklich sehr ordentlich gemacht, und auch Florian Beil ist nach überstandener Verletzung sicherlich wieder eine Alternative. So richtige Konstanz hat sich aber auf besagten Positionen noch nicht eingestellt und es bleibt zu hoffen, dass diese zweite Baustelle im weiteren Saisonverlauf noch gut geschlossen werden kann. Die Qualität ist da, allein, es fehlen entweder die nötige Gesundheit oder die entsprechende Konstanz.

Vorn im Sturm sind, denke ich, keine Frage offen, 9 Tore in 10 Ligaspielen von Christian Beck sprechen hier eine deutliche Sprache. Auch Lars Fuchs hat sich endlich in der Offensive festgespielt und belebt unser Angriffsspiel enorm, sodass hier zum einen wenig Handlungsbedarf besteht und man zum anderen sicher noch eine Vielzahl schöner Tore erwarten kann. Einzig die Frage, wer verlässlich einspringt, wenn entweder Fuchs oder Beck mal verletzt oder gesperrt sein sollten, könnte ein kleines bisschen Bauchschmerzen verursachen, weil derzeit eigentlich nur Morris Schröter als zwar vielversprechende, aber eben auch noch sehr junge und unerfahrene Alternative zur Verfügung steht.

Insgesamt kann man also, so denke ich, schon festhalten, dass ein Grundgerüst der Mannschaft gut zu erkennen ist und sich eines der großen Bedenken des Umfeldes, nämlich dass der Trainer ja angeblich keine Stammformation (ein)spielen lassen würde, unbegründet war. Was uns aber auch gleich zur dritten großen Baustelle bringt: zur Person des Trainers.

Die aufmerksame Leserschaft wird mittlerweile wissen, dass ich ja eher zum Team „Pro Petersen“ gehöre. Dennoch muss auch ich eingestehen, dass immer, wenn es im ersten Saisondrittel Unruhe gab, unser Coach mehr oder weniger direkt beteiligt war. Einen großen Teil des Unmuts, der Andreas Petersen von Teilen der Fanszene entgegengebracht wurde (insbesondere hinsichtlich taktischer und kadertechnischer Fragen) hielt und halte ich dabei für eher unbegründet; was aber unbedingt besser werden muss, ist Petersens Außendarstellung. Man könnte auch von „öffentlichkeitswirksamem Verhalten“ sprechen. Los ging es ja schon nach dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Energie Cottbus, in dessen Folge Marco Kurth als Kapitän rasiert wurde und wobei die gesamte sportliche Leitung keine gute Figur abgegeben hat. Dass dann der Saisonauftakt nicht wunschgemäß verlief, tat sein übriges, um Petersen einiges an Gegenwind ins Gesicht blasen zu lassen. Und kaum hatten sich alle wieder ein wenig beruhigt, rastet der Trainer beim letzten Heimspiel gegen Wacker Nordhausen aus, attackiert den gegnerischen Trainer körperlich und wird dafür mit insgesamt 4 Spielen Innenraumsperre belegt. Nun kann man da viele Argumente wälzen, sich die Köpfe heiß diskutieren und flammende Pro- und Contra-Plädoyers halten. Fest steht: Petersen muss unbedingt aufpassen, dass nicht (ständig) seine Person, sondern seine (im besten Fall erfolgreiche) Arbeit mit der Mannschaft im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung steht. Bei einem Verein wie dem Ersten Fußballclub Magdeburg herrscht in einem tendenziell eher überambitionierten und von überzogenen Erwartungen gekennzeichneten Umfeld ohnehin nie wirklich Ruhe; zusätzliche Unruhe aus Richtung der sportlichen Leitung können wir da nicht auch noch gebrauchen. Und nein, das war jetzt kein Abrücken von Andreas Petersen, sondern eher die Aufforderung, sich einfach ein bisschen mehr am Riemen zu reißen und im Interesse des Vereins (!) die Konzentration und Energie darauf zu verwenden, eine erfolgreiche Mannschaft zu formen. Denn: steht am Ende irgendwann der Aufstieg, werden auch kleinere Eskapaden wie selbstverständlich nicht mehr als Arroganz und Anmaßung, sondern eher als kultige Kauzigkeit ausgelegt.

Nach diesem Blick zurück lohnt es sich vielleicht, zum Abschluss noch auf das kommende Saisondrittel zu schauen: zunächst geht es im nächsten Spiel zum Angstgegner (!) aus Meuselwitz (!!) und man darf gespannt sein, welch wundersame Dinge sich diesmal in der bluechip-Arena (!!!) ereignen. Auf der Heimspielspeisekarte stehen dann mit der zweiten Mannschaft von Hertha BSC und dem 1. FC Lokomotive Leipzig zwei Gegner aus dem unteren Tabellendrittel, gegen die ein Sieg natürlich Pflicht ist, wenngleich insbesondere die Hertha-Bubis dem geneigten Stadiongänger ja eher kleinere Schauer über den Rücken jagen. Bis zur Winterpause geht es ansonsten noch auswärts gegen Babelsberg, Auerbach und Zwickau, bevor wir im neuen Jahr den Berliner AK sowie die U23 von Union Berlin zuhause empfangen und in Halberstadt sowie Jena um Punkte kämpfen. Also auch hier wieder ein anspruchsvolles Programm, bei dem sicherlich das Heimspiel gegen die Lokomotive aus Probstheida das große Highlight darstellt.

Gespannt bin ich vor allem, ob die bestehenden Baustellen behoben werden und ob ich meine bisherige persönliche Quote von 6 aus 10 Live-Spielen werde halten können. Wie auch immer, ich werde berichten – vielleicht schon vom nächsten Ausflug ins immer wieder idyllische Meuselwitz.

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