Jena? Immer wieder gern!

1. FC Magdeburg – FC Carl Zeiss Jena, 01.09.2013, 5. Spieltag 

Wichtiges, wichtiges Heimspiel am vergangenen Sonntag (01.09.2013) gegen den FC Carl Zeiss Jena! Nicht nur, dass mit der @isntfamous, die auch ein sehr lesenswertes Blog betreibt, eine äußerst fussballkompetente Leipziger Freundin erstmalig im HKS zu Gast war und ich natürlich hoffte, dass sich Stadt, Mannschaft und Kurve in einem entsprechend guten Licht präsentieren würden. Auch sonst war ja, nachdem 3 von 4 der bisherigen Pflichtspiele in der Saison 2013/2014 verloren gingen (wobei auch die erwartbare Erstrundenniederlage im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus darunter fällt) schon wieder ordentlich Musik drin bei den Größten der Welt. Insbesondere Trainer Petersen stand unter Druck, zumal die Mannschaft beim Auswärtsspiel gegen die Reserve des 1. FC Union Berlin in der Vorwoche Augenzeugenberichten zufolge eine recht erbärmliche Vorstellung abgegeben haben muss und das kleine bisschen Euphorie, das nach dem ersten Heimsieg der Saison gegen den VfB Germania Halberstadt kurz aufgekommen war, gleich wieder im Keim erstickt hatte.

Andreas Petersen jedenfalls wurde vor dem Jena-Spiel von einem nicht unerheblichen Teil der Fans (und hier beziehe ich mich auf das – zugegebenermaßen sicher (oder hoffentlich?) nicht repräsentative Fanforum) auf zum Teil unsäglichste Weise dahin gewünscht, wo der berühmte Pfeffer wächst – für mich ein absolutes Unding und eigentlich auch eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass der Verein vor nicht allzu langer Zeit sportlich völlig am Boden lag und es nun mal seine Zeit braucht, bis man eine Mannschaft zusammen und geformt hat, die ernsthafte Ambitionen auf den Staffelsieg anmelden kann. Genau hierin lag und liegt aber das im Vorfeld des Spiels oft gelesene und in unterschiedlicher Sachlichkeit und Qualität vorgetragene Argument gegen den Trainer, das sich etwa auf die Formel bringen lässt: „Der Petersen hat eigentlich nur eine große Klappe und ein noch größeres Ego und nicht die Fähigkeit, eine Aufstiegsmannschaft zu formen.“ Dazu kommt dann eben noch der Magdeburg-typische Umstand, dass Geduld ja nun eine Eigenschaft ist, mit der der FCM-Fan als solcher mal so gar nicht gesegnet ist, was dazu führt, dass man sinnvolle, mehrjährige Entwicklungspläne eben im FCM-Umfeld einfach nicht verkauft kriegt. Ich will da jetzt auf die Diskussion auch gar nicht weiter eingehen, weil ich hier beim Schreiben schon wieder merke, wie mir da latent die Hutschnur hochgeht. Außerdem habe ich meinen Standpunkt zum Thema ‚Trainerdiskussion‘ in meinem letzten Beitrag schon dargestellt und an der Aussage, dass Andreas Petersen jetzt eben zeigen muss, dass er lernbereit und lernfähig ist, hat sich nichts wesentliches geändert. Zwischenbilanztechnisch sinnvoll abgerechnet wird für mich am Ende der Hinrunde.

Dass die Bilanz bis dahin möglicherweise gar nicht so schlecht ausfallen könnte, ließ sich nach dem Spiel am Sonntag gegen den selbst ernannten Staffelfavoriten aus Thüringen zumindest erahnen. Während es in der ersten Hälfte ein sehr intensives, aber nicht wirklich geschmeidiges Spiel war, in dem beide Mannschaften vor allem darauf bedacht waren, nichts falsch zu machen, entwickelte sich in der zweiten Halbzeit (zumindest aus Sicht der blau-weißen Anhängerschaft) eine doch sehr unterhaltsame und insgesamt schön anzuschauende Partie. Soll heißen: sie können es doch! Dreh- und Angelpunkt bei beiden entscheidenden Offensivaktionen war Rückkehrer Lars Fuchs, der den ersten Treffer von Christian Beck super vorbereitet und den zweiten dann – kalt wie eine Hundeschnauze – selbst erzielt. Vor allem die Vorbereitung zum ersten Treffer war dabei erste Sahne: langer Ball von unserer linken Abwehrseite auf den rechten Flügel zu Fuchs, der sich gegen 3 (!) Jenaer behauptet und aus der Drehung mustergültig auf Beck flankt, der dann ’nur noch‘ wuchtig einköpfen muss. Allerdings hatte sich der Treffer vorher irgendwie schon angedeutet, weil Jena an diesem Tag keine Mannschaft war, die den selbst formulierten Aufstiegsanspruch auch auf den Rasen bringen konnte. Übrigens vielleicht auch ein gutes Lehrstück für die ewig Unzufriedenen auf unserer Seite, brachte doch die Entlassung von Petrick Sander in Jena nach saisonübergreifenden 8 Spielen ohne Niederlage (!) ganz offensichtlich (noch) nicht den gewünschten Erfolg.

Personaltechnisch stellte sich die Mannschaft gegen Jena eigentlich fast von alleine auf, wenn man davon ausgeht, dass ein großer Teil der Positionen eben fest vergeben zu sein scheint (Tischer, Hammann, Lange, Handke, Sowislo, Beck, Reinhard, Puttkammer, Bärje), Viteritti sich im Training verletzte und Kevin Nennhuber sich durch seinen rabenschwarzen Tag in Berlin selbst aus der Aufstellung rotiert hat. Ob Lars Fuchs nur deswegen von Anfang spielte, weil Viteritti eben unpässlich war, oder ob er ohnehin in der Startaufstellung gestanden hätte, werden wir nie erfahren. Ist aber eigentlich auch egal. Spannend ist jetzt eben nur, ob auch Andreas Petersen gesehen hat, dass ein Lars Fuchs aus der Mannschaft eigentlich nicht wegzudenken ist, wenn man offensiv spielen und Spiele gewinnen will. Mal schauen, was passiert, wenn Vitti wieder fit ist. Naja und für Kevin Nennhuber ist es irgendwie bitter, weil für ihn mit Felix Schiller ein Spieler in die erste Elf rutschte, der – ohne Nennhuber zu nahe treten zu wollen – aus meiner Sicht individuell deutlich stärker einzuschätzen ist und, sofern er von Verletzungen verschont bleibt, in der Innenverteidigung auch gesetzt sein sollte.

Mit dem vorhandenen und eingesetzten Personal gelang auf jeden Fall ein völlig verdienter Sieg gegen einen FC Carl Zeiss Jena, der im weiteren Verlauf der Saison sicher noch stärker wird und seine Ambitionen auch spielerisch und ergebnistechnisch untermauern kann. Wobei ich auch überhaupt nichts dagegen hätte, wenn uns die Thüringer auch in der kommenden Saison noch erhalten bleiben – scheinbar liegen die uns ja seit letzter Saison ;-).

Und sonst? Mussten sich natürlich am Magdeburger Hauptbahnhof ein paar Vollidioten noch daneben benehmen und Jenaer Auswärtsfahrer angreifen, die mit dem Regionalzug um 17:07 Uhr wieder Richtung Heimat aufbrechen wollten. Wie sehr mich so etwas ankotzt, kann ich eigentlich gar nicht in vernünftige Worte fassen, zumal für die nicht FCM-affinen Fahrgäste im vollbesetzten Zug (in den ich kurz zuvor auch eingestiegen war) gleich wieder die typischen Klischees eindrucksvoll bestätigt wurden: „Was ist denn hier los?“ – „Och, sicher wieder irgendwie Fußball“. „Ja, das sind FCM-Fans.“ „Oh, jetzt kommt da auch noch Polizei dazu.“ „Ist ja irgendwie typisch.“ „Warum machen die das?“ – das waren so die Sätze und kurzen Unterhaltungen, die zu hören waren, während man draußen auf dem Bahnsteig (auf dem auch Familien mit kleinen Kindern unterwegs waren!) Gegröhle hören und besagte Scharmützel, inzwischen auch mit der eingetroffenen Polizei, beobachten konnte. Was die bereits im Zug befindlichen Fahrgäste nun ihren Freunden und Verwandten über Fußballfans in Magdeburg erzählen, kann sich ja sicher jeder denken; nur den Rummelboxern auf dem Bahnsteig ist sowas ja egal, weil die sich sicherlich auf ihr natürliches Recht berufen, gegnerische Fans vermoppen zu dürfen, da man ja schließlich seine Farben verteidigen und hochhalten und den anderen zeigen muss, wer hier die Hosen anhat. Schlimm, traurig und einfach nur zum Kotzen :-(.

Um nun diesen kleinen Bericht zum Jena-Spiel nicht mit dieser unsäglichen Geschichte enden zu lassen, sei noch folgende, eher herzige Anekdote berichtet: Am Montag nach dem Spiel fand ich nämlich die folgende Postkarte im Briefkasten:

5855D501-48F6-4D0B-A57D-B4F8BD563E99 2A925696-FC68-4092-AB4B-4EBC41E39A4EVerfasser der anerkennenden Zeilen war einer unserer Nachbarn, längst in Rente und glühender Fan von Rasenballsport Leipzig, mit Dauerkarte und allem, was dazugehört. Und recht hat er: „Der Magdeburger Sieg war nicht nur verdient, sondern auch außerordentlich wichtig (wegen des Gegners und überhaupt).“ <3.

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