Groß gekämpft und doch verloren

1. FC Magdeburg – FC Energie Cottbus, DFB-Pokal 2013/2014, 1. Runde, 03.08.2013

Man kann ein Spiel ja immer so und so sehen. Im Falle des Spiels des Ersten FC Magdeburg in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Energie Cottbus könnte man demnach nun sagen: unnötige Niederlage, mega-ärgerlich, weil zeitweise mit einem Zweitligisten auf Augenhöhe und nur durch eine dumme Unkonzentriertheit ein Gegentor kassiert. Dazu genug eigene Möglichkeiten, sogar in Führung zu gehen.

Andererseits könnte es aber auch heißen: die erwartete Niederlage gegen einen zwei Spielklassen höher angesiedelten Gegner mit Ambitionen nach ganz oben, mit dem man lange mitgehalten hat und gegen den es eben – auch aufgrund der höheren individuellen Klasse auf so ziemlich jeder Position – einfach nicht ganz gereicht hat. Ich persönlich neige zu letzterer Lesart.

12.044 Zuschauer, darunter ungefähr 2.000 Cottbuser Anhänger, sahen nämlich bis zur 83. Minute, in der das Tor für die Gäste fällt, eine muntere Partie mit einem engagiert auftretenden Magdeburger Team, das – in Anbetracht des Klassenunterschiedes – gar nicht so viel zugelassen hat und es immer wieder vermochte, eigene Nadelstiche zu setzen. Ich möchte auch behaupten, dass das Spiel einen anderen Sieger gesehen hätte, wäre z.B. einer der Bälle des immer quirligen Fabio Viteritti ins Tor gegangen. Oder hätte man nach der dem Tor vorausgegangenen eklatanten Abseits-Fehlentscheidung einfach weiter Fußball gespielt, anstatt sinnlos zu lamentieren und darüber die Abwehrarbeit zu vergessen. Oder hätte man sich in die Verlängerung gerettet, die dem Viertligisten sicher besser zu Gesicht gestanden hätte, als dem Zweitligisten aus der Lausitz, was dann psychologisch ein ordentliches Pfund gewesen wäre. Ja, ja, hätte, hätte, Fahrradkette, bekanntlich kam es nun anders, und trotzdem war es ein hochinteressantes und äußerst unterhaltsames Spiel, aus dem man einiges mitnehmen kann und das den geneigten Fan doch recht zuversichtlich stimmen sollte für die kommenden Aufgaben in der Liga. So man denn die gezeigte Leistung kontinuierlich abrufen kann und so denn der Trainer bei bestimmten taktischen Experimenten etwas mehr Fortune hat. Dazu aber später mehr.

Für mich persönlich begann der Spieltag zumindest anreisetechnisch eher holprig, weil nämlich neben den Cottbusern auch unsere, ähm, Freunde vom 1. FC Lokomotive Leipzig in der Republik unterwegs waren, um ihr erstes Auswärtsspiel in Babelsberg zu absolvieren, wo sie sich und ihre Farben gleich wieder in der schlimmstmöglichen Weise präsentierten. Sie können es halt nicht lassen. Beim Anblick dieser Bilder war es sicher eine meiner besseren Entscheidungen, dann doch lieber den Umweg über diese Stadt da im Süden Sachsen-Anhalts in Kauf zu nehmen, als auf der gemeinsamen RB-Fahrt mit den sympathischen Jungs und Mädels in Blau-Gelb über Fußball im Allgemeinen und die Beziehung unserer beiden Fanlager im Besonderen zu diskutieren.

Dass allerdings auch auf unserer Seite der eine oder andere Unsympath unterwegs ist, durften wir dann unsererseits beim Betreten unseres Blocks im schönen HKS erleben. Ich bin ja gespannt, wann Leute mal begreifen, dass „an der Tageskasse keine Platzwahl“ nicht bedeutet, sich einfach irgendwo in den Block stellen zu können und dann den Karteninhabern, die gern auf ihre Plätze möchten, weil sie die Tickets für genau die Plätze vielleicht aus Gründen extra im Vorverkauf erworben haben, noch dumm kommen zu müssen. Zumal dann noch mit so schlagenden Argumenten wie „müsst Ihr halt früher kommen!“, „Tja, jetzt stehe ich hier.“ oder „Man konnte sich immer hinsetzen, wo man will, war schon damals so.“ Noch mal langsam zum Mitmeisseln: nein, kann man nicht. Holt Euch Eure Tickets im Vorverkauf oder verpisst Euch halt einfach in die letzte Reihe unters Dach und seid leise. Pfosten.

Zum Glück hatten wir dieses Problem im gut gefüllten Block 3 nicht alleine, sodass die besagten Personen sich dann doch mit vereinten verbalen Kräften und ohne schlagende Argumente nach weiter oben verabschiedeten und wir uns, wie gewohnt, dem Geschehen im Block widmen konnten. Dies bestand am Samstag zunächst mal in der Aufgabe, beim Einlaufen der Mannschaften eine große Blockfahne über unsere Köpfe hinweg den Block hinauf zu bewegen, was dann von allen anderen Tribünen aus etwa so ausgehen hat:

IMG_2868(Danke an @olliMD für das Foto!)

Wieder großes Kino vom Block U – zu sehen war letzten Endes eine Eintrittskarte zu einem FDGB-Pokal-Finale (als kleine Erinnerung für die Cottbuser, wer genau hier noch mal Rekord-Pokalsieger der DDR war) sowie die Zeile „An alte Tage denken und neue Ziele sehen“, die u.a. in einer FCM-Hymne vorkommt.

Zum Spiel selbst hat sportfotos.MD wieder einen gewohnt guten Spielbericht verfasst. An dieser Stelle daher, wie mittlerweile fast üblich, noch ein paar ergänzende Beobachtungen und Überlegungen meinerseits:

Was auf jeden Fall gut zu sehen war, war die oben bereits kurz erwähnte individuell höhere Klasse der Lausitzer Gäste, die sich eben in der Ballbehauptung auf engstem Raum, einer höheren Antrittsschnelligkeit, der merklich höheren Passquote usw. äußerte. Trotzdem hat Blau-Weiß das überwiegend gut gemacht, stand vor allem in der ersten Halbzeit dem Gast permanent auf den Füßen, hat mit 2, 3 Leuten den ballführenden Spieler attackiert und sich in der Defensive gut gegenseitig ausgeholfen. Dass das natürlich Räume schafft, ist klar, allerdings wussten die Cottbuser die glücklicherweise zunächst nicht zu nutzen. So scheiterte beispielsweise der immer gefährliche Sanogo früh in der ersten Halbzeit am guten Tischer und auch Jendrisek (von dem ich glaube, dass der eine Riesenverstärkung für die Cottbuser sein dürfte) hatte im Abschluss zunächst kein Glück.

Dass der eine oder andere Angriff der Gäste ins Leere lief, war sicher auch Marius Sowislo zu verdanken, der aus meiner Sicht in der ersten Hälfte wieder ein Riesenspiel machte und im defensiven Mittelfeld eigentlich überall zu finden war, alles abgeräumt hat und auch zumindest versuchte, klug zu eröffnen. Wenn ich jetzt so nachdenke, ist mir neben ihm unser Kapitän Marco Kurth gar nicht wirklich aufgefallen… als einer der Neuzugänge (neben Hammann, Lange und Handtke) stand auch Tino Schmunck in der Anfangsformation, der zwar bemüht war, aber eben mitunter auch nicht immer den optimalen Laufweg gewählt hat, was uns im Spiel nach vorn den einen oder anderen Ballverlust einbrachte. Wohl auch aus diesem Grund blieb er in der zweiten Hälfte draußen, für ihn kam Steffen Puttkammer ins Spiel, der die Sowislo-Position übernahm. Dieser wiederum rückte dafür im Mittelfeld weiter Richtung Offensive; im Nachgang muss ich leider sagen, dass dieser taktische Schachzug von Andreas Petersen möglicherweise mit den Sieg gekostet hat. Von Sowislo war nämlich auf der neuen Position in Halbzeit zwei nur noch sehr wenig zu sehen, und Puttkammer seinerseits spielte zwar auch engagiert, aber (meiner Meinung nach) bei weitem nicht mit der Abgeklärtheit, die Sowislo noch in der ersten Halbzeit an den Tag legte. Dafür trat nun Marco Kurth wieder mehr in Erscheinung, aber eben leider mehr durch, nun ja, ‚unglückliche Passentscheidungen‘ als als kluger Mittelfeldmotor. Kurzum: die eigentlich recht gute Spielanlage aus der ersten Halbzeit wurde durch den Wechsel und die daraus resultierende taktische Veränderung irgendwie kaputt gemacht, was wiederum Cottbus in die Karten spielte, das nun in Halbzeit zwei den Druck ordentlich erhöhte und aufgrund dessen letzten Endes sicher auch verdient und leistungsgereicht mit einem Tor mehr gewann. Es bleibt an der Stelle die Erkenntnis, dass ein Marius Sowislo in dieser (saisonübergreifenden) Form auf dieser Position (im defensiven Mittelfeld) derzeit nicht zu ersetzen ist. Schade eigentlich, dass Andreas Petersen das Risiko (wenn man denn davon sprechen kann, Puttkammer ist ja nun auch kein Schlechter) in Kauf genommen hat. Hätte Marius Sowislo vielleicht neben Kurth durchgespielt… aber das hatten wir schon.

Mutig hingegen und ziemlich großartig fand ich Petersens Entscheidung, den jungen Morris Schröter im Verlauf der zweiten Halbzeit ins Spiel zu bringen, wahrscheinlich als kleinen Überraschungsmoment und als Belohnung für eine sehr ordentliche Vorbereitung mit der ersten Mannschaft. Schröter macht seine Sache auch, wie ich fand, recht gut, an dem werden wir noch viel Freude haben. Okay, er hat halt auch eine große Führungschance vergeben, was Kollegen Beck dann auch sehr geärgert hat, aber daraus wird er (Schröter) mit Sicherheit lernen. Appropos Beck. Der wirkte am Samstag irgendwie schlapp und ist vielleicht eher kein Spieler, der sich bei brütend heißen 35 Grad so mega wohl fühlt, wobei sein Spiel natürlich auch kraft- und laufintensiv ist. Dazu vergibt er, eigentlich eher Beck-untypisch, die Riesenchance zur Führung, als er hervorragend einen langen Ball erläuft und dann aber hoch flankt, anstatt auf den frei einlaufenden Reinhardt abzulegen, der dann eigentlich nur noch einschieben müsste. Aber nun gut. Würden in der Mannschaft immer alle alles richtig machen, wäre die Ligazugehörigkeit sicherlich längst eine andere ;-).

Als kleine Nebennotiz sei noch vermerkt, dass ein gewisser Telmo Teixeira nicht einmal im Kader war. Sofern er sich in den letzten Trainingseinheiten nicht verletzt hat, wohl ein deutliches Zeichen des Trainers in seine Richtung…

Und sonst noch: das Catering im Stadion präsentierte sich das eine Mal, dass ich es in Anspruch nahm, wieder deutlich auf Viertliganiveau. 15 Minuten Wartezeit an einem medium gut besuchten Bierstand sind einfach lächerlich. Außerdem sollte man, wenn das Bier schon alkoholfrei ist, das auch so ausweisen, gab es doch ein paar recht schockierte Stadionbesucher, die aber eh schon 3,8 auf dem Kessel hatten und denen es vielleicht ganz gut tat, nichts mehr zu trinken zu bekommen.

Kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte gab es dann auch noch eine kleine Pyro-Einlage im Gästeblock, die u.a. zu einem brennenden Bengalo auf dem Rasen und einer kurzen Spielunterbrechung führte, die vom Stadionsprecher kurzerhand und sympathisch mal gleich als ‚Trinkpause‘ verkauft wurde.

IMG_2867Die Mitteldeutsche Zeitung (und mittlerweile auch ein paar andere) derweil mit einer abgetippten Agenturmeldung nebst darauf verweisendem Tweet, der die blau-weiße Fanszene mal wieder tendenziös und reißerisch als Krawallbrüder ausweist:

„#DFB-#Pokal in #Magdeburg. Platzverweise und Strafverfahren am Rande des Spiels. #Polizei #1fcm“ (@mzwebde, 04.08.2013, 13:47 Uhr)

Man beachte die Hashtag-Auswahl. In der ersten Fassung des über den Tweet verlinkten Beitrags bekommt natürlich nur die blau-weiße Fanszene ihr Fett weg, die Cottbuser Zündelei wird mit keinem Wort explizit als solche erwähnt. Erst auf meinen Hinweis auf Twitter hin wird der Artikel um die Pyro-Sache der Cottbuser erweitert, immerhin.
Vielleicht, liebe MZ und liebe anderen Printmedien, schickt Ihr beim nächsten Spiel einfach mal selbst einen Reporter vorbei, anstatt einfach blind irgendwelche Agenturmeldungen zu übernehmen. Euer Mann oder Eure Frau vor Ort kann sich dann einen persönlichen Eindruck verschaffen und den möglicherweise sogar faktisch richtig in einen Artikel einfließen lassen. Ich zahle auch das Ticket.

So. Weiter geht es jetzt für den Club nach diesem insgesamt doch guten Pokalauftritt mit einem Auswärtsspiel in Berlin, bevor dann am 18.08. das nächste Heimspiel gegen den VfB Germania Halberstadt ansteht. Keine ganz so einfachen, aber doch lösbaren Aufgaben, in deren Anschluss man eventuell schon so einen kleinen Eindruck hat, wo die Reise dieses Jahr hingehen kann.

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2 Antworten zu Groß gekämpft und doch verloren

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