„Die Nummer Eins im Land sind wir!“ – Landespokalsieger 2013

Was für ein Tag, was für ein Spiel, was für ein Erlebnis! Auch mit zwei, fast drei vollen Tagen Abstand fällt es mir immer noch schwer, zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt nüchterne und einigermaßen objektive Worte zu finden. Daher: Scheiss drauf! Dann wird das jetzt eben kein analytisch-sachlicher, sondern ein eher emotional gefärbter Blogpost. Passt eh viel besser zu dem, was sich an diesem 31.05.2013 im Heinz-Krügel-Stadion zu Magdeburg ereignet hat.

Der Tag begann für mich arbeitsbedingt in der – abgesehen vom örtlichen Fußballverein – doch recht schönen Hansestadt Rostock, und schon beim Aufstehen war da dieses Kribbeln und so eine gewisse Grundnervosität, die sich zum einen aus dem abends anstehenden Pokalfinale als solchem und andererseits aus der Frage speiste, ob ich es wohl pünktlich zum Anpfiff ins Stadion schaffen würde. Schließlich war ich mal wieder auf die Deutsche Bahn angewiesen und hatte nur 1,5 Stunden Puffer zwischen der planmäßigen Ankunftszeit und dem planmäßigen Anpfiff im heimischen HKS. Mit lediglich 10 Minuten Verspätung und 65 (!!!) Prozent Handy-Restakku (was ich als ein gutes Omen wertete!) rollte ich schließlich in der Landeshauptstadt ein, sodass sogar noch Zeit war, die obligatorische Kräuterbratwurst sowie ein Kaltgetränk vor dem Stadion zu konsumieren. Das war auch gut so, denn im Stadion selbst war eine Verköstigung aufgrund eines völlig inakzeptablen Caterings (mal wieder…) so gut wie unmöglich – aber dazu später mehr.

Auch Mutter Natur hatte sich offenbar gedacht, ihren Teil zum großen Spektakel an diesem Abend beizutragen, denn schon auf dem Weg Richtung Stadion zeigte sich der Himmel von seiner episch-apokalyptischen Seite:

Keine 30 Sekunden, nachdem wir den Einlass passiert hatten, ging denn auch ein Wolkenbruch nieder, der eher so in die Kategorie ‚Weltuntergang’ einzuordnen war und spätestens jetzt war klar, dass das kein normales Fußballspiel werden würde. Beeindruckend für mich trotzdem, wie sich beide Mannschaften trotz massiven Niederschlags in aller Seelenruhe auf dem Platz warm machten. Und während ich da so zuschaute, dachte ich mir mehr als einmal, dass ich doch ganz froh bin, auf einer überdachten Tribüne stehen zu dürfen ;-).

Wenig verwunderlich wurde dann auch recht zügig bekannt gegeben, dass das Spiel aufgrund der Wetterlage erst um 19.00 Uhr angepfiffen werden würde, was die Nervosität und Anspannung nicht eben minderte. Vielleicht war das alles aber auch ganz gut so, denn so war Zeit für den Block-U-Vorsänger, die komplette Nordtribüne noch mal hinsichtlich der anstehenden Choreographie zu instruieren. Es galt nämlich, auf Kommando auf dem Platz bereits vorgefundene Plastiküberzüge überzustreifen, selbige die ganze erste Halbzeit anzubehalten und außerdem die ersten 45 Minuten stehen zu bleiben. Das Ergebnis konnte sich, wie ich dann später dank verschiedener Fotos und Videos auf Youtube rekonstruieren konnte, natürlich wieder sehen lassen. Wie immer: 


Vielleicht lag es am verspäteten Anpfiff, vielleicht an der ganzen Anspannung an den Tagen zuvor und am Spieltag selbst, vielleicht auch an den unheimlich engagierten Ansagen des Capos, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall entlud sich mit dem Anpfiff und der Choreo plötzlich eine Energie im Block, die ich wirklich lange nicht mehr erlebt hatte. Da musste wohl, auch bei mir, erst mal alles raus, und so kam es, dass die ganze (!) Nordtribüne ein Lied nach dem anderen donnerte und auch die Jungs auf dem Rasen loslegten, als ob es heute was zu gewinnen gäbe.

Zum Spiel selbst kann ich eigentlich gar nicht allzu viel berichten, da sind tatsächlich auch nach eingangs bereits erwähnten 2 Tagen Abstand nur fragmentarische Erinnerungsfetzen erhalten. Prägnant im Kopf geblieben ist mir zum Beispiel der (zugegebenermaßen auch in diesem Blog) häufig gescholtene Marius Sowislo, der im defensiven Mittelfeld im wahrsten Sinne des Wortes ein Riesenspiel machte. Wenn dieses Leistungsvermögen konstant abrufbar ist, wird mir auf der Position überhaupt nicht mehr bange.

Das nächste, was ich dann noch weiß, ist ein gewisser Spielzug unseres Gegners aus Halberstadt in der 87. Minute. Sagte ich vorher leise zu meinem Nebenmann und dann deutlich lauter in Richtung Rasen „DEN MÜSST IHR ABNEHMEN!“, sehe ich bloß aus dem Augenwinkel und zwischen der großen Block-Schwenkfahne hindurch jemanden abziehen und den Ball (von mir aus gesehen) rechts im Tor einschlagen. Die Worte, die nötig wären, um die Gefühlswelt nach diesem Treffer von Maik Georgi (ausgerechnet Georgi!) zu beschreiben, sind in der deutschen Sprache leider nicht verfügbar. Auf jeden Fall kann ich jetzt jeden verstehen, der beim Verfolgen eines Fußballspiels schon mal geheult hat, was ich bis dato immer völlig albern fand (‚Ist doch nur ein Spiel!’), aber fast am eigenen Leib erlebt hätte. Und gleich darauf der nächste beeindruckende Moment: Block U stimmt wieder an (wobei mir ehrlicherweise mal so überhaupt gar nicht nach singen zumute war) und versuchte, unsere Elf wieder nach vorne zu peitschen.

Tja, und als hätte die Mannschaft sofort verstanden, landete in der gefühlten 95. Minute (tatsächlich war es wohl die 90.) die Kugel plötzlich auf der anderen Seite im Netz, was dazu führte, dass die Nord völlig ausrastete. Auch das habe ich so wirklich lange nicht mehr erlebt. Was für ein Spiel!

Verlängerung also. Meine Fresse. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits gefühlte 20 Jahre älter, aber hätte mir jemand gesagt, was noch folgt, ich hätte ihm vermutlich einen Vogel gezeigt.

Erste Halbzeit der Verlängerung, Christian Beck kommt vor unserer Kurve im Strafraum zu Fall, der Schiedsrichter pfeift: Elfmeter! Es tritt an: Florian Beil, seines Zeichens Elfmeterschütze vom Dienst ohne einen Fehlschuss in der laufenden Saison. Bis zum Pokalfinale. Und da ja immer irgendwann das erste Mal ist und der gebürtige Halberstädter wohl der Meinung war, seinerseits ein bisschen Drama ins Spiel zu bringen, setzt Beil den Schuss ganz geschmeidig links am Tor vorbei. Es war nicht zu fassen. Die Mannschaft daraufhin eher verunsichert und hätte Halberstadt diesen Umstand ausgenutzt, hätte der FCM wohl nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen gehabt. Glücklicherweise kam es aber anders, weil der beste Mann auf dem Rasen, Marius Sowislo, kurze Zeit später nach einer schönen Flanke von rechts den Ball per Kopf ins lange Eck beförderte. Der FCM war wieder da, und wie! Der Rest ist dann eigentlich nur noch Rauschen, in dem wohl ein gewisser Florian Beil dann in der zweiten Halbzeit der Verlängerung noch das 3-1 erzielt und die Größten der Welt schließlich zum Landespokalsieger 2013 macht!

Es war schon ein insgesamt absolut geiles Finale, bei dem einfach wirklich alles dabei war, das an Dramatik nur noch durch ein Elfmeterschießen hätte überboten werden können und das auch deshalb so lief, wie es lief, weil mit Germania Halberstadt ein absolut würdiger Finalgegner auf dem Rasen stand. Auch die Worte vom Vereinspräsidenten am Ende mehr als fair, von daher noch mal großen Respekt an die Vorharzer und danke dafür, zu diesem denkwürdigen Abend beigetragen zu haben!

2 negative Randbemerkungen müssen trotz aller Freude aber doch noch sein:

Erstens, wie eingangs bereits erwähnt: das leidige Thema ‚Catering’: bei der Geschwindigkeit, mit der da am Getränkeausschank gearbeitet wurde, hätte man den Servierkörpern zwischen Bestellung und Bezahlung gut und gerne die ganze Vereinschronik auf den Arm tätowieren können. In Farbe. Eine absolute Katastrophe sowas und ich frage mich, wann wir im Heinz-Krügel-Stadion wohl mal fähiges, schnelles, freundliches und kompetentes Catering-Personal erleben dürfen. Bei dem Gedanken daran, dass das Saisoneröffnungsspiel gegen Dortmund am 08.07. so gut wie ausverkauft ist, wird mir jetzt schon Angst und Bange.

Zweitens: Thema ‚Platzsturm’: dass nach einem hoch emotionalen, gewonnenen Landespokalfinale die Anhänger auf den Rasen wollen, dürfte nun wirklich niemanden überraschen. Völlig unverständlich für mich daher, dass man da vereins-/verbandsseitig nicht einfach gelassener drauf eingestellt war und die Fans dann eben auf den Rasen lässt, zumal eigentlich im Moment des Triumphs ja nicht damit zu rechnen war, dass es zu irgendwelchen gewalttätigen Übergriffen kommt. Eigentlich. Und wenn man auf Nummer sicher gehen will, postiert man eben eine Handvoll Polizeibeamte vor dem Gästeblock und rein gar nichts wäre passiert. Also, außer, dass eben die Fans auf dem Rasen mit ihrer Mannschaft hätten feiern können.

Was sich stattdessen ereignete, war sowohl von den Männern und Frauen in Grün bzw. Schwarz, als auch von Teilen des Anhangs auf der Nordtribüne wahrlich keine Glanzleistung: völlig überforderte Beamte laufen erst mal konfrontativ vor der Nordtribüne auf, gleichzeitig scheinen sich ja offenbar immer irgendwelche Dillos zu finden, die nur auf solche Situationen warten und den angestauten Frust ihres traurigen Lebens an der Polizei auszulassen versuchen. Und sorry, liebe Beamte, aber: ich habe selten Einsatzkräfte gesehen, die so derart hilflos, unkoordiniert und dabei noch völlig überzogen aggressiv auf eine derartige Situation reagiert haben. Ein Armutszeugnis, wirklich, und ich hoffe inständig, Sachsen-Anhalts Innenminister war zu der Zeit noch im Stadion. Schade, dass ein großartiges Spiel mit solchen Begleiterscheinungen zu Ende gehen muss und schade auch, dass das insgesamt die Feierstimmung zu dem Zeitpunkt schon ein wenig trübte.

Letzten Endes ist es aber so, (hier kommen wieder die zwei Tage Abstand ins Spiel) dass auch diese beiden eher doofen Aspekte meine Freude über diesen wirklich großartigen Erfolg nicht mindern können. Danke für dieses geile Spiel, danke für diese insgesamt doch sehr gelungene Saison!

Und als brauchte es noch eine letzte Bestätigung für diesen längst schon mal beschlossenen Schritt, ging dann heute auch endlich der Mitgliedsantrag auf den Postweg gen Rötgerstraße 9 ;-).

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