Finalfieber

Die vergangene Katastrophensaison? Nahezu vergessen.

Die aktuelle Punktspielrunde? Gerade abgeschlossen mit einem 0:0 gegen den Fußball-Sportverein Zwickau. Mit insgesamt immerhin 45 Punkten, 42:41 Toren und einem respektablen 6. Tabellenplatz. Nach dem sang- und klanglosen Untergang als Tabellenletzter im Vorjahr – wer hätte das vor der Saison so erwartet?

Aber: alles egal.

Der einzige wirklich wichtige Termin im Spieljahr 2012/2013 ist der 31.05.2013. Um 18:30 Uhr erfolgt dann der Anstoß zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, ausgespielt wird er zwischen dem VfB Germania Halberstadt und dem Ersten Fußballclub Magdeburg. Es dürfte wohl für beide Mannschaften das wichtigste Spiel des Jahres sein, für die Germania möglicherweise sogar eins der bis dato bedeutendsten Spiele der Vereinsgeschichte. Dennoch, für uns Magdeburger ist dieses Finale eventuell noch dieses eine kleine bisschen wichtiger.

Warum? Nun, es geht ja nicht nur darum, einfach ein Fußballspiel zu gewinnen. Es geht allein schon aus finanziellen Gründen natürlich darum, durch den Pokalsieg in die erste Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Außerdem möchte man ja auch 2015 im europäischen Supercup in Tiflis auflaufen; ein DFB-Pokal-Sieg 2014 ist bei diesem Vorhaben selbstverständlich Grundbedingung ;-).

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Ehre und dem Magdeburger Selbstverständnis als Nummer Eins in Sachsen-Anhalt (ob da noch irgendwelche Randexistenzen in anderen, möglicherweise höheren Ligen ihr Unwesen treiben, ist an der Stelle nicht ganz so wichtig). Nicht nur würde es selbigem, also dem Selbstverständnis, äußerst gut tun, nach 4 Jahren endlich mal wieder im Pokal zu triumphieren. Nachdem uns Germania Halberstadt in dieser Saison bereits vier von sechs möglichen Punkten abgenommen hat, und zwar nicht mal unverdient, wird es außerdem mal wieder Zeit zu zeigen, wie das wirklich so beschaffen ist mit den Machtverhältnissen im Land.

So weit, so einfach. Dennoch erwartet uns am kommenden Freitag meiner bescheidenen Meinung nach ein Spiel, was vom Ausgang her völlig offen ist und aus diesem Grund auch eher für eine gehörige Portion An- statt Entspannung und Vorfreude sorgt, bei mir jedenfalls. Hat man die Germania in den vergangenen Jahren immer als zwar freundlichen, aber sportlich nicht wirklich ernstzunehmenden Nachbarn eher belächelt, haben sich Mannschaft und Verein mittlerweile zu einer echten Regionalligagröße entwickelt. Tatsächlich kann man inzwischen auch von so etwas wie einer organisierten, wenn auch kleinen Fanszene sprechen. Es gibt nicht wenige ExpertInnen im Magdeburger Umfeld, die diese Entwicklung gern in vollem Umfang dem derzeitigen Cheftrainer unserer Blau-Weißen, Andreas Petersen, zuschreiben möchten. Sicherlich ist Petersens Anteil an dem Standing, das sich der Verein inzwischen erarbeiten konnte, nicht von der Hand zu weisen, er hat dort ja schließlich lange genug gewirkt. Allerdings ist der gute Mann inzwischen auch bereits seit einer kompletten Punktspielrunde für die Geschicke der Größten der Welt verantwortlich und letzten Endes läuft es wahrscheinlich darauf hinaus, dass im Vorharz einfach generell gute und grundsolide Arbeit geleistet wird. Hut ab dafür, Germania! Der Pott bleibt deshalb aber bitte trotzdem in der Landeshauptstadt.

Und bei uns? Tja, keine Ahnung. Jedweder Versuch einer nüchternen Analyse scheitert irgendwie immer wieder an diesem dumpf-diffusen Bauchgefühl der Aufregung, gepaart mit Anspannung und einem kleinen bisschen Angst, dass das Spiel möglicherweise am Ende mit dem falschen Sieger endet. Von der Krönung einer in vielerlei Hinsicht ziemlich großartigen, wenn auch längst nicht perfekten Saison bis hin zur ultimativen Schmach, im Finale im eigenen Stadion dem ‚kleinen’ Nachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen, ist wohl alles drin. Und das macht die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Wenn ich die Tendenz aus den beiden Punktspielen gegen Halberstadt als Grundlage nehmen müsste, wäre der Ausgang am Freitag klar: nach einer 0-2-Heimniederlage und einem 2-2 beim Rückspiel auswärts wäre es ja nur logisch, wenn wir nun unsererseits im heimischen HKS mit 2-0 triumphieren würden. Allein – so einfach ist es wohl nicht. Problematisch erscheint in der Tat, dass es Halberstadt in beiden Spielen gegen uns gelungen ist, jeweils 2 Tore zu erzielen. Dass man im letzten Aufeinandertreffen beide Tore kassierte, während der Gegner in Unterzahl war, ist außerdem ziemlich bedenklich. Ob das nun bedeutet, dass die Vorharzer einfach einen ziemlich guten Ball spielen oder dass unsere Abwehr einfach nicht immer auf der Höhe des Geschehens ist, mag jeder für sich selbst beurteilen. Nüchterner Fakt 1 aber trotzdem: unsere Abwehr möchte und muss am Freitag bitte einen Sahnetag erwischen und nicht erst nach Gegentoren, sondern wenn möglich schon beim Einlaufen aufwachen. Fernando Lenk (leider) und Stephan Neumann (yeah!) dürften wohl gesetzt sein, gleiches gilt sicher für Tobias Friebertshäuser in der Innenverteidigung. Neben Friebe kommen Philipp Blume, Peter Hackenberg (ist der schon wieder fit?) oder Kevin Nennhuber in Betracht, eventuell hat der junge Blume hier derzeit ein kleines bisschen die Nase vorn. So ein richtiges Urteil kann ich mir da aber momentan nicht erlauben, weil ich die letzten Spiele mit Blume als IV leider nicht live verfolgen konnte. Prinzipiell halte ich Kevin Nennhuber auch für die solidere, weil einfach erfahrenere Option. Allerdings strahlte er aber auch nicht immer die notwendige Sicherheit aus (um es mal diplomatisch zu formulieren). Naja, und Hacke mit der kürzlich erst wieder erlittenen Verletzung… ach, schwierig.

In der Offensive ist derweil die Sache ziemlich klar und hier sehe ich uns gegenüber unserem Kontrahenten auch recht deutlich im Vorteil. Mit Christian Beck haben wir endlich wieder einen Stürmer, der diese Bezeichnung auch verdient, und speziell gegen seinen alten Verein, den er nicht unbedingt im Guten verlassen hat, dürfte er sicher besonders motiviert sein. Dazu kommen Christopher Reinhard und Fabio Viteritti auf den Flügeln; qualitativ, bei allem Respekt für Germania, sicherlich insgesamt ein deutliches Plus für uns.

Im Mittelfeld dürften Marco Kurth und Marius Sowislo wohl gesetzt sein, so dass insgesamt noch ein Plätzchen zu vergeben ist. Von der Aufstellung der letzten Spiele her zu urteilen, wird das sicherlich Florian Beil einnehmen, im Übrigen ein gebürtiger Halberstädter. Als geneigter Magdeburger Anhänger hätte man sich ja – nichts gegen Beil – gewünscht, dass Telmo Teixeira ein bisschen schneller die Bindung zum Magdeburger Spiel findet und eben lange vor dem Finale schon zur (offensiven) Schaltzentrale avanciert. Das ist bisher aber noch nicht so richtig eingetreten, sodass Telmo das Spiel vermutlich zunächst, wie eigentlich fast immer seit seinem Wechsel von den Hässlichen, von der Bank aus verfolgen dürfte. Viel wird insgesamt auch mal wieder von der Tagesform unseres Kapitäns Kurth abhängen; auch das ist ein Umstand, der mich die ganze Saison über eigentlich schon eher bedenklich stimmt. Für Marco Kurth gilt daher dasselbe wie für unseren Abwehrverbund: bitte am Freitag einen Sahnetag erwischen ;-).

Tja. Insgesamt also: Prunkstück Offensive, eher tagesformabhängiges Mittelfeld, Wackelkandidat Abwehr, was nun auch nach doch eher krampfhaft nüchterner Analyse immer noch nach einem klassischen Fifty-Fifty-Spiel aussieht. Und komme mir jetzt bitte keiner mit „offense wins games, defense wins championships“. Das kann ich jetzt grad gar nicht gebrauchen.

Was bleibt, ist dann eben letzten Endes doch dieses verdammte Gemisch aus Anspannung, Vorfreude und Nervosität, aber: so ist eben der Pokal. Und vielleicht, ja vielleicht gibt es ja am Freitagabend nach Abpfiff mal wieder einen ähnlichen Ausbruch wie diesen hier, an den ich mich immer wieder gern zurückerinnere:

(War das geil. Und krass unsportlich. Aber geil.)

Also, Jungs. Nur noch dieses eine Spiel. Im eigenen Wohnzimmer.

WIR! IHR! POKALSIEG!

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