Das wohlige Bauchgefühl der Weiterentwicklung

Tja, so ist das manchmal – kaum ist das Knaller-Heimspiel gegen RasenBallsport Leipzig vorbei und kaum hat man noch so gedacht:  „Geiler Tag, geiles Spiel – da kommt auf jeden Fall ein Blogbeitrag drüber!“, ist tatsächlich wieder eine Woche rum und auch das auf das Heimspiel folgende Auswärtsspiel schon wieder Geschichte. Ein Blick auf die aktuelle Situation beim Ersten FC Magdeburg unter dem im (Trainer)Team und Umfeld derzeit gern genutzten Stichwort ‚Weiterentwicklung‘ rechtfertigt aber, so denke ich, trotzdem auch nach einer Woche noch mal einen Blick zurück auf den 11.11.2012 – gerade auch vor dem Hintergrund des letzten Spiels beim FSV Optik Rathenow am gestrigen Samstag. Und siehe da – die Aktualität im Blog ist damit gewissermaßen und wie von Zauberhand von hinten durch die Brust ins Auge wieder hergestellt. Heureka!

RasenBallsport also. Das Spiel, auf das ich mich aus ganz verschiedenen Gründen doch recht stark gefreut habe und ein Tag, der letzten Endes nicht enttäuschen sollte, auch wenn das reine Spielergebnis von 1-4 zunächst vielleicht etwas anderes vermuten lassen würde.

Zum einen war da natürlich der Reiz, den souveränen Tabellenführer der Regionalliga Nordost ein wenig zu ärgern. Zum anderen gab es die Aussicht auf eine für diese Liga doch verhältnismäßig volle Hütte. Und schließlich sollte sich für mich an diesem Tag auch die Möglichkeit ergeben, einige dieser ‚Internetmenschen‘ kennenzulernen, von denen man in der Vergangenheit schon so das eine oder andere gelesen und mit denen man auch schon die eine oder andere Diskussion im virtuellen Raum geführt hatte. Soziale Medien in Reinform quasi. Dass die sportliche Konstellation vor dem Spiel dank des alles andere als grandiosen Auftritts der Blau-Weißen im Zentralstadion am 31.10. nun nicht mehr ganz so günstig war – geschenkt. Und eigentlich war es, rückblickend betrachtet, auch gar nicht so schlimm, dass man sich ausgerechnet gegen die Lokomotive aus Probstheida den bis dato mit Abstand schlechtesten Saisonauftritt leistete, gab es doch in besagtem Heimspiel gegen den Ligaspitzenreiter die Möglichkeit, vor eigenem Publikum einiges wieder gut zu machen.

Die Anreise zum Spiel erfolgte diesmal völlig entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten, weil erstens mit dem Auto und zweitens, Achtung: mit Auswärtsfahrern! In anderen Konstellationen wäre so etwas vermutlich äußerst ungesund, vielleicht auch töricht, in diesem speziellen Fall war es aber wirklich angenehm. Oder, um mal einen (meinem Kenntnisstand nach vor allem im Leipziger Raum) weit verbreiteten T-Shirt-Spruch zu zitieren: „In den Farben getrennt – in der Sache vereint.“ Nur dass ich mich an der Stelle eben nicht auf einen eher unreflektierten Hass gegen bestimmte Sportmarketingkonstrukte beziehe, sondern einfach auf ein gemeinsames Interesse am Fußballsport im Allgemeinen und einem guten Spiel an besagtem Tag im Speziellen. In anderen Sportarten sind solche Gepflogenheiten ja gang und gäbe und ich finde es eigentlich zunehmend belastender, dass sich der gemeine Fußballfan da im Normalfall so unheimlich einen abbricht (außer natürlich, es geht um das Gesocks aus Süd-Sachsen-Anhalt 😛 ). Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt ;-). Wie dem auch sei, ich hab die gemeinsame Anreise und den Austausch mit den Herren @rotebrauseblog und @axel_wird_gut jedenfalls nicht bereut und freue mich schon auf das Rückspiel im kommenden Jahr ;-).

Am Stadion angekommen, war relativ schnell klar, dass es heute ein wenig voller werden würde als sonst und auch Block U hatte sich eine schöne Geschichte ausgedacht, um den Auswärtsfahrern im Block gegenüber und der eigenen Mannschaft auf dem Rasen gleich mal zu zeigen, wer hier zumindest stimmlich und zahlenmäßig Herr im HKS ist (ein Video in besserer (Sound-)Qualität war ‚aus dem Stand‘ leider nicht aufzutun):

Auch auf dem Rasen war, sehr zur Freude der gemeinen Anhängerschaft, ein druckvoller, einsatzfreudiger und kämpfender FCM zu sehen. Allein, das muss man an dieser Stelle eben auch mal sagen: die abgezocktere Truppe kam an diesem Tag aus Leipzig und wer aus relativ wenig Chancen derart trocken und humorlos 4 Tore macht, wird wohl am Ende der Saison auch mit einem komfortablen Vorsprung ganz oben stehen. Das größte (und vielleicht auch einzige gravierende) Manko der Blau-Weißen an diesem Tag war nämlich, wie leider bisher schon viel zu oft, die schlechte Chancenverwertung. Sicherlich ist das in gewisser Weise eine Qualitätsfrage, aber allein die Tatsache, in welcher Art und Weise die Torchancen für den FCM zustande kamen, lässt (Vor)Freude aufkommen und insbesondere die zweite Hälfte – vielleicht die bisher stärkste der ganzen Saison – hat mit Sicherheit nicht nur bei mir Lust auf mehr geweckt. Wenn nämlich im weiteren Entwicklungsverlauf der Mannschaft dann auch noch die Klasse dazukommt, vielleicht mal statt jeder gefühlten zehnten jede zweite Chance zu verwerten, muss uns um erfolgreichere Zeiten nicht bange werden.

So aber wurde es die (zugegebenermaßen nicht unerwartete) Heimniederlage, wobei das Ergebnis sicherlich 2 Tore zu hoch ausfällt. Das 1-3 fällt in einer Phase, in dem wir dem Ausgleich recht nahe waren und ihn uns auch redlich verdient gehabt hätten und das 1-4 war ein Freistoßknaller mit Tor-des-Monats-Potential, was leider von einem der beiden Leipziger Akteure erzielt wurde, dem ich solche Aktionen mal so gar nicht gönne. Aber gut.

Ausgesprochen positiv fiel auf, dass auch in einer Phase, in der das Spiel mit 1-3 quasi entschieden war, konsequent weiter gekämpft, gegrätscht und gearbeitet wurde. Dafür bekommt diese Magdeburger Mannschaft von mir ein ganz dickes „Daumen hoch!“ und auch in diesem Punkt ist eine deutliche Weiterentwicklung zum labilen Bocklos-Haufen der letzten Saison zu erkennen. Stichworte hier: Charakter und Leidenschaft, und diese beiden Aspekte wiegen dann auch mal vier Gegentore gegen den Tabellenführer auf. Und wenn selbst der Gegner ob des abgelieferten Spiels und der Stimmung lobende Worte übrig hat, kann man wahrlich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

Die Heimreise am Sonntag stand dann ebenso wie die Hinfahrt im Zeichen der Pflege bis dato virtueller Kontakte, nur dass der Gesprächspartner diesmal ganz deutlich dem eigenen Lager zuzurechnen war ;-). Auch hier kann ich nur sagen: coole Rückfahrt, super Gespräche, vielen Dank für’s Mitnehmen – und noch mal einen schönen Gruß an die gute Frau auf der Autobahn, die der Meinung ist, mal eben mit 80 durch Sachsen-Anhalt gondeln zu müssen… ;-).

Gestern nun ging es für unser Rasenakrobaten nun also nach Rathenow zum dortigen FSV Optik. Die Frage lautete nun natürlich, wie die Mannschaft die Niederlage gegen beide Leipziger Vereine in den letzten Punktspielen verarbeitet hatte, ob das zu hohe Ergebnis gegen RasenBallsport richtig eingeordnet wurde und ob an die tolle Leistung vom vorhergehenden Spieltag angeknüpft werden konnte. Ich denke, ohne das Spiel live gesehen zu haben, dass ein Ergebnis von 3-0 diesbezüglich eine deutliche Sprache spricht. Offenbar lässt sich die Mannschaft durch Negativerlebnisse nicht mehr so einfach aus der Bahn werfen und Trainer Petersen gelingt es ganz offensichtlich, die Entwicklung der Truppe ganz unaufgeregt, aber konsequent voranzutreiben. Und das ist angesichts der vergangenen Spielzeiten irgendwie mehr wert, als man in Ergebnissen und Zahlen ausdrücken kann. Ich jedenfalls habe ein verdammt gutes Bauchgefühl und bin gespannt, wie der nächste Schritt, den die Mannschaft hoffentlich gegen die zweite Mannschaft des FC Energie Cottbus am kommenden Freitag unter Flutlicht gehen wird, wohl aussieht.

Was soll ich abschließend noch sagen – der FCM macht derzeit einfach wieder richtig Spaß :-)! Und das kann auch gern noch eine ganze Weile so bleiben.

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